Sei mutig

„Sei mutig und entschlossen.
Lass dich nicht einschüchtern und hab keine Angst!
Denn ich, der Herr, dein Gott, stehe dir bei , wohin du auch gehst.“
Josua 1,9
Wenn in unserem Leben schwere Dinge passieren, wenn das Schicksal es mit uns nicht gut zu meinen scheint, dann sprechen Menschen uns ganz oft Mut zu.
„Ich wünsche dir Kraft!“
Kraft, für diese Situation. Kraft, das Schwere, Unausweichliche auszuhalten. Kraft, weiterzugehen. Kraft, um überhaupt aufzustehen.
Wie oft habe ich selbst diese Worte bereits anderen gesagt. Manchmal mit dem Zweifel, woher die Kraft denn kommen soll.
Als uns im März 2019 der Boden unter unseren Füßen weggezogen wurde, jeder Funke Lebensmut erloschen schien, wurde uns Kraft gewünscht von allen Seiten.
Und als aus Tagen des Bangens, Hoffens und Betens Wochen wurden und dann Monate, änderte sich der Zuspruch der Kraft. Wir sollten Kraft behalten – Ausdauer.
Und jetzt, wo es ein Marathon geworden ist, ein fortwährender Kampf gegen die Depression, die dunklen Gedanken, die Realität mit ihren kaum auszuhaltenden Einschränkungen, jetzt ermahnt man uns, dass wir unsere Kraft einteilen, uns Ausgleich und Entspannung suchen müssen, Kraftquellen.
Was gibt einem Menschen Kraft in seinen schwersten Stunden?
Was/wer ist auch langfristig noch da als Quelle zum Auftanken?
Hat man Kraft einfach nur so? Je nachdem, welcher Mensch wir sind, wie unser Charakter ist, wo und ob wir uns entspannen?
Einer hat mehr Kraft, der Andere weniger?
Die Worte, die in der Bibel stehen im Buch Josua, können auch wie Hohn klingen. Wie soll man mutig sein, wenn die Welt über einem zusammenstürzt? Wenn sich Erdspalten auftun und man darin versinkt? Wie soll man keine Angst haben?
Aus sich selbst heraus kann man das nicht!
Nur diese Aufforderung: „Sei mutig!“ reicht nicht aus und bewirkt kaum etwas!
„Sei mutig, denn ich, der Herr, dein Gott, bin mit dir, wohin du auch gehst!“ Das ist das Entscheidende!
Weil Gott da ist in jeder Situation, in allem Schweren, wenn wir verzweifelt sind und keinen Weg sehen. Deshalb können wir unsere Angst abgeben an Ihn oder trotz unserer Angst weitergehen. Weil Er uns Hoffnung schenkt!
In den letzten Jahren seit 2019 habe ich immer wieder mit Angst und Mutlosigkeit gekämpft. Und immer wieder sprach Gott mir zu: „Sei mutig. Hab keine Angst. Denn ich bin bei dir!“ Diese Zusagen verfolgen mich schon fast. So nötig habe ich sie, dass Gott sie mir immer wieder zuspricht! Nur so, mit und durch Ihn, ist da immer wieder Kraft!
Ich möchte von dieser Kraftquelle in meinem Leben erzählen. Ich möchte anderen Menschen Mut machen, nicht aufzugeben, sich ein hoffendes Herz zu bewahren und sich – vielleicht auch das erste mal in ihrem Leben- an den zu wenden, der ihnen in jeder Situation beistehen will: Gott.
14 Comments
Gerd
Hallo Anna,
ich bin durch Ralf und die Fotografie auf deinem Blog gelandet.
Das, was ich hier gelesen habe, habe ich bisher für mich noch nicht so sortiert, dass ich irgendetwas Kluges dazu sagen könnte.
Klar ist mir aber schon mal, dass ich deine Offenheit, dein Engagement, dein Ansinnen ändere zu inspirieren und noch viel mehr, sehr bewundernswert finde.
Deshalb ein dickes Dankeschön für dein Tun.
Liebe Grüße
Gerd
Anna Scherer
Hallo Gerd,
vielen Dank, dass du anerkennst, um was es mir geht, nämlich um die Ermutigung anderer.
Ich finde, es bedarf nicht immer „kluger“ Worte. Was wirklich wichtig ist, ist das Herz. Ein Mensch spürt, wenn ein anderer es ehrlich meint.
Ganz liebe Grüsse
Anna
Uwe
Hallo liebe Anna,
so richtig kennengelernt habe wir Dich ja quasi „spielend“. Schon damals spürte man die Kraf und die Liebe, die Euch alle als Familie umweht. Es ist schön, das zu sehen, es bei anderen Menschen zu spüren und sich daran ein Beispiel zu nehmen. Bewahrt die Kraft, die Zuversicht und die Hoffnung und vor allem die Liebe in der Familie.
Es grüßt Dich mit ganz viel Freude der Uwe
Anna Scherer
Vielen Dank, lieber Uwe!
Ich kann nur hinzufügen, dass wir gern mal wieder mit euch spielen werden! Ihr habt uns inspiriert, uns einige der Spiele selbst anzuschaffen. Und Karaoke steht ja auch noch aus…
Andrea
Hallo Anna,
Ich finde Ihr seid so tolle Menschen und so vielseitig. Ich habe den Spieleabend bei euch genossen und möchte das gerne wiederholen… Ich möchte nicht sagen, ich wünsche Euch Kraft, weil es das gar nicht ausdrücken kann. Ich habe oft in stiller Minute über euer Schicksal nachgedacht und diese Mutlosigkeit und Trauer fast körperlich gespürt…. Natürlich wünsche ich Eurer Familie alles Gute…. Aber eigentlich können Worte das gar nicht ausdrücken was ich Euch wünsche….. Fühlt Euch gedrückt und ich versuche ein bisschen Kraft zu Euch zu senden….. 😘
Anna Scherer
Liebe Andrea,
Vielen Dank für deine Worte und für alle- auch unausgesprochenen- Wünsche!
An manchen Tagen ist es schwerer als an anderen. Ich denke oft, dass unsere Situation für andere Menschen sehr traurig, vielleicht sogar hoffnungslos erscheinen muss. Das ist sie aber nicht- zumindest nicht hoffnungslos! Ganz oft ist Vieles schwer, besonders Alltägliches, worüber andere sich gar keine Gedanken machen. Traurigkeit ist da, weil wir immer wieder Abschied nehmen müssen, vom „normalen“Leben, von Dingen, die für uns früher selbstverständlich waren und ganz einfach, von Zukunftsplänen.
Aber diese Traurigkeit überwiegt nicht! Und das liegt wahrscheinlich daran, dass wir so hoffnungsvolle Menschen sind.
Vielen Dank für deine guten Wünsche! Genau das gibt uns auch Kraft, dass Menschen für uns da sind und Anteil nehmen!
Ganz liebe Grüsse
Anna
Maren
Hallo Anna,
Ich habe deinen Mann kennengelernt, als er meine Mutter intensiv betreut hat. Dort war er es, der mir Mut zugesprochen hat. 2014 erkrankte meine Große Tochter an einem Hirntumor, die Zeit blieb stehen. Sie hat es geschafft, ist inzwischen Mama von einem prachtvollen Jungen und wundervollen Zwillingsmädchen. Die Zeit von Diagnosestellung bis heute hat mich dahin geführt, meinen Glauben neu zu finden.
Dann habe ich Jahre später von eurem Schicksalsschlag gehört und verfolge den Gang von eurer Lea „unzerbrechlich“.
Was macht das aus uns Eltern, wie lange haben wir Kraft, alleine durch „aufbauende“ Worte durchzuhalten?
Wird uns die Kraft von außen gegeben, laufen wir auf emotionalen Hochtouren oder ist es der Herr, unser Gott, der uns die Kraft gibt. Dies mag für jeden anders sein, jeder zieht seine Kraft aus dem, was ihm hilft.
Glaube, Hoffnung und Stärke, woher auch immer wir sie nehmen, lässt uns jeden Tag wieder aufrecht gehen und nicht aufgeben.
Ich wünsche dir/euch von ganzem Herzen, dass ihr Seite an Seite diesen täglichen „Kampf“ zu überstehen.
Liebe Grüße Maren
Anna Scherer
Liebe Maren,
ich spreche davon, dass ich meine Kraft in meinem Glauben finde an einen Gott, der mir immer in allem beisteht. Und das ist auch so. In der Zeit nach Leas Sturz haben wir eine wahnsinnig grosse Welle der Anteilnahme erfahren von Freunden, Bekannten und auch Menschen, die wir nicht kannten. Und ich bin mir ganz sicher, dass Gott andere Menschen und deren Zuspruch dazu benutzt, um uns zu stärken, damit wir uns nicht allein wissen und nicht aufgeben. Dann sind es wieder Bibelworte, die „gerade passen“, wie „zufällig“, die mich ermutigen und mich daran erinnern, dass Gott an meiner Seite ist.
Trotz alldem kenne ich diese Gedanken, die du äußerst: „Wie lange habe ich die Kraft, um durchzuhalten?“
Ich bin in den letzten 3 Jahren so vielen Eltern begegnet, die auch mit ihren Kindern Schweres erlebt haben. Zu einigen habe ich immer noch Kontakt und ich bekomme mit, dass es auch da ein täglicher Kampf ist, den wir im Grunde „ungesehen und unverstanden“ austragen und nicht wissen, ob wir ihn irgendwann verlieren werden.
Es ist wie eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Und ich für mich brauche bei dieser Fahrt Gott an meiner Seite. Denn ohne ihn würden die Gurte mich nicht halten und ich würde garantiert in die Tiefe stürzen.
Dir und deiner Familie wünsche ich, dass Gott auch für euch immer der „Rettungsgurt“ ist!
Ganz liebe Grüsse
Anna
Renate
Hallo Anna,
Ich bin eine ehemalige Kollegin vom Ralf. Jetzt arbeite ich bei einer Krankenkasse und betreue mit meinen Kollegen unsere pflegebedürftigen Versicherten und deren Pflegepersonen. Eure Geschichte hat mich schmerzhaft getroffen, aber auch gleichzeitig so viel Kraft gegeben. Ich bewundere euch und insbesondere dich für eure/ deine Kraft und dass, ihr den Blick für das Schöne trotz allen Erschwernissen nicht verliert.
In einem Kinderlied heißt es, „… ich schenk dir einen Sonnenstrahl, damit du wieder lachst und anderen Menschen eine Freude machst…“. In diesem Sinne ☀️
Ich habe mir 2 Sätze auf dem Rücken tätowieren lassen:
„Vertraue in Gott “ und „Nur Gott kann mich richten“. Hieraus schöpfe ich Kraft.
Ich bin sehr froh und dankbar, Ralf wieder getroffen zu haben und von eurer Liebe und Kraft erfahren zu dürfen. Liebe überwindet alles. Ich glaube, ich habe es noch nie treffender als bei euch gefühlt.
LG
Renate
Anna Scherer
Liebe Renate,
danke für deine Worte! Und für den Sonnenstrahl (ich weiss gerade nicht, wie ich die emojis einbaue…).
Wir haben in den letzten Jahren sehr viel mit der Kranken-und Pflegekasse zu tun gehabt. Ich bin froh, in einem Land mit einer so guten medizinischen Versorgung zu leben und dankbar für alles, was Lea bewilligt bekommen hat. Allerdings sehen wir auch gerade jetzt, wo es doch auch mangelt und auf welche Schwierigkeiten Betroffene stoßen, wie bürokratisch alles ist, wie schwer, wenn einem sowieso schon die Kraft fehlt!
Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie schwer es auch für die dort Arbeitenden ist, dieser Spagat zwischen „was ist ökonomisch vertretbar“ und was braucht der Betroffene und sollte es dringend bekommen.
Deinen Mut zu den Tattoos bewundere ich! Ich selbst habe mir im vorletzten Jahr (zusammen mit Lea) ein kleines Tattoo ans Handgelenk stechen lassen. Ich kann gar nicht beschreiben, wie schmerzhaft das war!!!
Und diese zwei Bekenntnisse könnten auch meine sein, im Grunde Erinnerungen für einen selbst, in allem Gott zu vertrauen (was sich so leicht anhört und überhaupt nicht ist) und nur Gott als Richter zuzulassen. Da wären wir wieder bei dem Vergleichen mit anderen Menschen, beim „schlechter Abschneiden“. Wie oft werden wir nicht nur von anderen „gerichtet“, sondern richten uns quasi selbst, indem wir uns einen geringeren Wert zusprechen! Wie anderes ist da Gott, der uns liebt, so wie wir sind, bedingungslos!
Ganz liebe Grüsse
Anna
Marius
Hallo Anna,
ich finde es gut, dass du deine Geschichte mit der Welt teilen möchtest. Ich denke, sie kann anderen Menschen Mut machen und inspirieren, nicht aufzugeben und sich selber abzuschreiben.
Was mir persönlich immer hilft nicht den Mut zu verlieren: ist es im Alltag versuchen den Blickwinkel auf das aktuelle Geschehen zu wechseln. Denn ich glaube durch die moderne Welt und den Fokus auf einen selber, und der andauernden „Broadcast yourself“ Mentalität vergessen wir das wir auch nur Menschen. Menschen, die Fehler machen, aber auch viele Erfolge haben. Jedoch wie so oft im Leben brennen sich die Fehler stärker ins Gedächtnis als die Erfolge. Keine Ahnung, warum das so ist, aber ich finde durch den bewussten Wechsel der Perspektive auf mein Leben und mein aktuelles Tun wird mir immer wieder bewusst, wie viel ich schon geschafft habe. So gewinne ich neue Kraft für neue Abenteuer und Aufgaben.
Ganz liebe Grüße aus dem Süden von Deutschland
Marius
Anna Scherer
Hallo Marius,
ich bin da ganz bei dir. Ich glaube auch, dass, wenn wir uns ständig um uns selbst drehen und immer mit uns beschäftigt sind, wir auch viel schneller unzufrieden werden und die Dinge aus dem Auge verlieren, für die wir dankbar sein können.
Du hast recht, jeder Mensch hat auch eine Menge Erfolge. Wir sehen nicht nur bei unserem Gegenüber die Misserfolge viel eher und viel stärker, sondern auch bei uns selbst. Ich glaube, weil wir in einer sich so stark vergleichenden Welt gross werden, in der auch nur „Erfolge“ zählen, die messbar sind und die sich definieren in Geld, Besitz, Ansehen… Deshalb fällt es uns zwar leicht, uns im Vergleich mit anderen „fehlerhafter“ zu sehen. Aber es fällt uns nicht leicht, über unsere Schwierigkeiten zu sprechen und die Erfolge anzuerkennen, die sich nicht um Besitz und Stellung drehen.
Ganz liebe Grüsse-unbekannter Weise- in den Süden
Anna
Eric
Hey Anna
ich finde, dass einfach nur bewundernswert wie du da durchpowerst und wie du es schaffst für Lea trotzdem so ein starker Rückhalt zu sein.
Viele Liebe Grüße
Eric aus der Klinik
Anna Scherer
Hallo Eric,
wow, du bist der Erste, der mir einen Kommentar schickt! Schön, von dir zu hören! Du warst quasi auch einer der ersten Menschen, die uns damals in der Reha begegnet sind. Ein junger Mann, selbst mit einer bewegenden, erzählenswerten Geschichte.
Vielen Dank für deine Worte
Anna